Arbeitskreis

Satzung

"Arbeitskreis Religionsästhetik" (RÄ) in der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft (DVRW)

Der „Arbeitskreis Religionsästhetik“ (RÄ) wurde am 13. Mai 2007 in München von den TeilnehmerInnen der Tagung Religionsästhetik gegründet und als Arbeitskreis der DVRW im Sinne der Satzung der DVRW anerkannt.

Zielsetzungen

Zu den Zielen des Arbeitskreises gehört, religionswissenschaftliche Forschungen im Bereich Religionsästhetik durch Veranstaltungen anzuregen, zu fördern und zu intensivieren. Die Koordination von Projekten im Inland wie der internationale Austausch sind vorrangige Aufgaben. Unter ‚Religionsästhetik’ wird ein junges Forschungsfeld der Religionswissenschaft verstanden, das die sinnliche Seite von Religionen erkunden will:

  • die Wahrnehmung und die Sinnesorgane des Körpers, deren Funktionen, Nutzung; Aktivierung und Bewertung in der religiösen Theorie und Praxis und in deren jeweiligen natürlichen, artifiziellen oder medialen Umwelten (Teilgebiet ‚Religionsaisthetik’);
  • Symbole und Zeichen als kognitive Grundlagen kommunikativer Verständigung wie als Bausteine elaborierter religiöser Darstellungs- und Wissenssysteme (Teilgebiet ‚Religionssemiotik’);
  • Handlungsformen, wie sie in Kult und Ritual ihre expressive Gestaltung finden (Teilgebiet ‚Performance studies, ‚Theaterwissenschaft’; ‚Ritualtheorie’);
  • die historischen wie zeitgenössischen Artikulationsformen von Religionen und KünstlerInnen in der religiösen Kunst, Musik oder Literatur u.ä. und deren Reflexion, Normierung und Wertung in theologischen, philosophischen und anderen Schönheitslehren unter Berücksichtung ihrer Einbettung in Machtdiskursen (Teilgebiet ‚Historische und aktuelle religiöse Ästhetiken’; ‚Kunsttheorie’, ‚Musiktheorie’);
  • die ‚materielle Kultur’ der Religionen, wie sie im liturgisch-rituellen Rahmen oder in den religiösen Alltagswelten mit ihren Kultgeräten, Devotionalien, Paraphernalia und ihrem Bildschmuck zum Ausdruck kommt (Teilgebiet ‚material religion’; ‚Bildwissenschaft’; ‚cultural studies’)
  • die sinnliche Stimulation von Gefühlen und Stimmungen über sinnlich wahrnehmbare Gegenstände und (Teilgebiet Religionspsychologie, cognitive science/Neurologie, emische Ästhetiken, Kulturanthropologie)

Struktur

Der Arbeitskreis versteht sich als methodisch offenes Forum, das die unterschiedlichen Perspektiven und Herangehensweisen der Mitglieder in einen fruchtbaren Dialog bringen möchte. Die Mitgliedschaft in RÄ steht allen Mitgliedern der DVRW (sowie Mitgliedern der Österreichischen und Schweizer Religionswissenschaftsvereinigung als Gästen) offen, die an Themen der Religionsästhetik arbeiten. Die Aktivitäten von RÄ werden abwechselnd von Mitgliedern an ihrem Universitätsort organisiert. Wer dem Arbeitskreis beitreten möchte, hat ein Kurzprofil auszufüllen, das der Datenbank auf der homepage hinzugefügt wird. Eine/n Sprecher/in und eine/n Stellvertreter/in wird auf diesen Tagungen jeweils für die Dauer von einem Jahr gewählt.

Die aktuellen Sprecher sind Isabel Laack und Sebastian Schüler.

Vorhaben

Der Arbeitskreis organisiert in der Regel jährlich eine spezielle Veranstaltung. Die Form der Veranstaltung ist variabel, es kann sich dabei ebenso um ein informelles Arbeitstreffen (workshop) wie auch um Konferenzen zu spezifischen Themen handeln. Bei den DVRW-Tagungen kann ein Panel als RÄ-Veranstaltung angekündigt werden.

Archiv der Aktivitäten

Gründungstagung Religionsästhetik, 13. Mai 2007 am Interfakultären Studiengang Religionswissenschaft der LMU, München

2. Tagung des Arbeitskreises Religionsästhetik: Körper, Sinne, Religionen - religionswissenschaftliche Zugänge zur Ästhetik und Sinnlichkeit religiöser Praxis

am Institut für Religionswissenschaft der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg vom 16. bis 18. Mai 2008

Öffentlicher Vortrag David Morgan (Duesenberg Professor of Christianity and the Arts, Valparaiso University) "The Look of the Sacred"
Workshop mit David Morgan: "Defining Visual Culture in the Visual Construction of the Sacred”
Tagung des Arbeitskreises Religionsästhetik in Workshopform

3. Tagung des Arbeitskreises Religionsästhetik: Musealität

am Interfakultären Studiengang Religionswissenschaft der LMU, München, in Kooperation mit dem Staatlichen Museum für Völkerkunde München, 15./16. Mai 2009 "Ortswechsel“: Religion als Exponat - Zur Entwicklung religionsästhetischer Grundbegriffe am Beispiel „Musealität"

Vorträge von Dr. C. Müller (Direktor des Museums): "Religion darstellen: Möglichkeiten und Probleme", Prof. Dr. Jens Kreinath: "Ästhetik ritueller Objekte und die Musealisierung religiöser Erfahrung: Formationen der Musealität und die feinen Unterschiede moderner Ausstellungskultur", Dr. B. Luchesi: "Blickwechsel. Visualität im Götter- und im Musentempel", Erkundung des Museums mit Dr. S. Eisenhofer (Leiter der Abteilung Afrika), Dr. W. Stein (Leiter Abteilung Südasien und Fotoarchiv) und Dr. J.W. Frembgen (Leiter Abteilung Islamischer Orient)

Religionsästhetik fügt scheinbar weit auseinander liegende Methodenansätze und Theoriekonzepte zusammen und erschließt damit ein weites Feld von religionswissenschaftlichen Gegenständen. Nachdem der Arbeitskreis auf der ersten Tagung Themenfelder, Zugänge und Ansprüche an das noch junge Konzept der Religionsästhetik sichtete und diskutierte, dann auf der zweiten Tagung an Material unterschiedliche Ansätze erprobte, befasst sich die dritte Arbeitstagung damit, Grundbegriffe der Religionsästhetik zu profilieren.

Am Beispiel von Musealität wird diskutiert, in welcher Form solche wissenschaftliche Grundlagenarbeit geleistet werden kann. Musealität ist für die Religionswissenschaft deshalb ein Thema, da Theoriebildung nicht nur in Bezug auf wissenschaftliche Praxis stattfindet, sondern vor allem auch in Bezug auf gesellschaftliche Praxis. „Religion im Museum“ stellt ein signifikantes Merkmal Europäischer und globalisierter Religionsgeschichte der Moderne dar. Wie ein solcher „Ortswechsel“ von Religion zu beschreiben, einzuordnen und zu bewerten ist, soll parallel zur Arbeit am Begriff Gegenstand der Tagung sein. Im Arbeitskreis-internen Teil der Tagung wird im Sinne der „Critical Terms“ aus der US-amerikanischen Tradition bzw. des „Handbuchs religionswissenschaftlicher Grundbegriffe“ ein Netz von Begriffen entworfen und in einen theoretischen und methodologischen Zusammenhang gestellt. Ziel des Workshops ist es, einen Artikel zum Critical Term Musealität für die Religionsästhetik auszuformulieren, der ggf. in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wird.